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Unser Grundwasser: Der unsichtbare Schatz

Der Weltwassertag 2022 steht unter dem Motto "Unser Grundwasser: Der unsichtbare Schatz". Auf dieser Seite haben wir Wissenswertes rund ums Grundwasser und seine Bedeutung für unsere Versorgung mit Trinkwasser zusammengestellt. Scrollt euch einfach durch!

 

Wir fangen mit einer Grundlageninfo an - welche Rolle spielt das Grundwasser denn überhaupt für unsere Trinkwasserversorgung hier un Hessen und Rheinland-Pfalz?
 

„Der überwiegende Teil unseres Trinkwassers stammt in Hessen und Rheinland-Pfalz aus Grund- und Quellwasser.“

Doch ist diese Abhängigkeit vom Grundwasser nicht eine Gefahr für unsere Versorgung mit ausreichend Trinkwasser - Stichwort Hitzesommer?

Zunehmende Extremwetterereignisse wie Hochwasser und Hitzewellen stellen die Wasserversorgung vor große Herausforderungen. Besonders die außergewöhnlichen Hitze- und Trockenzeiten der Sommer 2018 und 2019 haben einen deutlich erhöhten Wasserbedarf hervorgerufen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) war 2018 das wärmste Jahr seit Beginn der deutschlandweiten Wetterbeobachtung im Jahr 1881. Außerdem war es zusätzlich ein extrem trockenes Jahr. Niederschläge waren im Vergleich zu vorher rund 30 Prozent weniger. Dies führte dazu, dass sich weniger Grundwasser neu bildete und damit die nutzbaren Wasserressourcen schrumpften, was bis heute zu spüren ist.

Die Wasserversorger stellen sich auf längere Trocken- beziehungsweise Hitzeperioden ein, in denen es zeitweise einen sehr großen Wasserbedarf gibt. Das bedeutet vor allem große Herausforderungen in Sachen Infrastruktur, denn diese muss immer auf die auf die Spitzenlasten ausgelegt sein. In den nächsten Jahren werden deshalb Investitionen in Millionenhöhe nötig sein, um die Wasserinfrastruktur zu ertüchtigen und auszubauen. Gleichzeitig muss sich ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Gebrauch der Ressource Wasser herausbilden. Außerdem gewinnt die konsequente Umsetzung des Vorrangs der Trinkwasserversorgung vor anderen Wassernutzungen zunehmend an Bedeutung.

Aber was tun die Wasserversorger selbst bei der Gewinnung von Grundwasser, um die Ressourcen langfristig zu erhalten?
 

Nachhaltige Wassergewinnung

Nachhaltige Wassergewinnung bedeutet, dass in der Regel nur so viel Grundwasser entnommen werden soll, wie sich auf natürliche Art wieder auffüllt. Das gebieten behördliche Auflagen und Wasserrechte. Es liegt im ureigenen Interesse der Wasserversorger, die Wasserressourcen langfristig zu sichern – nachhaltige Wassergewinnung ist deshalb schon seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema und inzwischen gelebte Praxis.

Dazu kommt eine Besonderheit, die die Wasserversorgung im Großraum Frankfurt/Rhein-Main ausmacht: Trinkwasser aus angereichertem Grundwasser. Hierbei wird Oberflächenwasser aus Flüssen wie beispielsweise dem Rhein und dem Main entnommen, aufbereitet und dann in das Grundwasser infiltriert. Eine solche infiltrationsgestützte Grundwasserressource ist weitgehend unabhängig von den Auswirkungen des Klimawandels. Wie die Infiltration für die Wasserversorgung des Rhein-Main-Gebietes genau funktioniert, haben wir euch im folgenden Film erklärt:
 

OK, es wird also viel getan, damit in Zukunft weiterhin eine ausreichende Menge an Grundwasser für unsere Versorgung mit Trinkwasser zur Verfügung steht. Doch wird die Qualität des Grundwassers auch gut genug sein, damit wir es für Trinkwasser verwenden können?
 

Schadstoffbelastung

Wo Menschen leben und arbeiten, hinterlassen sie Spuren. Alle produzierten Stoffe gelangen je nach Abbaubarkeit auf verschiedensten Wegen und in unterschiedlichsten Konzentrationen letztlich auch wieder in die Umwelt. Spurenstoffe, die wir in unseren Gewässern finden, lassen sich häufig auf die zivilisatorische Entwicklung einer Gesellschaft und der damit oftmals verbundenen Verbesserung der Lebensqualität zurückführen. Allerdings müssen wir das nicht einfach hinnehmen: Wir können gezielt versuchen, den Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt und damit auch die Gewässer zu vermeiden – dies möglichst schon an der Quelle.

Unsere hessischen und rheinland-pfälzischen Gewässer – sowohl an der Oberfläche die Flüsse als auch das Grundwasser – sind an vielen Stellen in Hessen und Rheinland-Pfalz mit unterschiedlichen Schadstoffen belastet, unter anderem Nitrat, Phosphat, Ammonium, Pflanzenschutzmittel, Chloride oder Sulfate. Trotz des steigenden Umweltbewusstseins und verschiedener Gegenmaßnahmen nehmen die Belastungen mit einigen dieser Schadstoffe nicht ab. Sie bleiben bestenfalls gleich oder nehmen sogar zu. Während die Belastung der Flüsse mit Phosphat aufgrund vieler Maßnahmen auf Kläranlagen in den letzten Jahren nachweislich stark zurückgegangen ist, bleibt die Belastung des Grundwassers mit Nitrat seit Jahren konstant auf einem zu hohen Niveau.

Dazu kommt die Belastung mit den sogenannten Spurenstoffen. Das sind Stoffe, die in sehr geringen Mengen in der Umwelt und im Wasser vorkommen. Es handelt sich um chemische Verbindungen, die vom Menschen direkt oder indirekt verursacht werden und im Bereich weniger Mikrogramm oder Nanogramm pro Liter im Wasser nachgewiesen werden können. Zu den organischen Spurenstoffen zählen beispielsweise Pestizide, Arzneimittel, Industrie- und Haushaltschemikalien oder künstliche Süßstoffe.

Das klingt nicht gut. Aber wird das Grundwasser denn wenigstens dort geschützt, wo es für unsere Versorgung mit Trinkwasser entnommen wird?
 

Wasserschutzgebiete

Um die zur Tinkwasserversorgung genutzten Gewässer vorbeugend zu schützen, werden Wasserschutzgebiete von den oberen Wasserbehörden ausgewiesen. In Hessen sind das die Regierungspräsidien und in Rheinlad-Pfalz die Struktur- und Genehmigungsdirektionen. Wasserschutzgebiete sollen das Grundwasser vor schädlichen Verunreinigungen schützen. In Hessen sind etwa 37 Prozent der Landesfläche als Trinkwasser- oder Heilquellenschutzgebiete ausgewiesen, in Rheinland-Pfalz sind es 11 Prozent der Landesfläche. Wasserschutzgebiete sind in der Regel in drei Schutzzonen unterteilt, in denen unterschiedliche Nutzungsbeschränkungen festgelegt und Grundwasser gefährdende Handlungen untersagt werden können.

Wasserschutzgebiete werden von den Wasserversorgern beantragt. Die Wasserbehörde wägt die Interessen aller Betroffenen im Gebiet ab – zum Beispiel Kommunen, Landwirte, Betriebe – und bestimmt dann ob und in welcher Größe die Schutzzonen eingerichtet werden. Auch die Nutzungsbeschränkungen und Ausgleichsmaßnahmen werden nach dieser Abwägung festgelegt.

Gibt es denn keine Regeln und Prinzipien auch zum Schutz aller anderen Gewässer?
 

Vorsorgeprinzip

Das Vorsorgeprinzip ist ein Grundprinzip wasserwirtschaftlichen Handelns. Es prägt das gesamte Wasserrecht. Es ermöglicht eine nachhaltige Entwicklung, weil es die Gewässer als Bestandteil des Naturraums langfristig sichern soll, indem verhindert wird, dass Gefahren für die Gewässer überhaupt entstehen. Konkret erkennbar ist die Umsetzung des Vorsorgeprinzips beispielsweise bei der Genehmigung von Wasserrechten oder der Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Allerdings wird das Vorsorgeprinzip bei anderen Gewässerschutzfragen vernachlässigt. Dazu zählen vor allem die Minimierung von Nitrateinträgen in das Grundwasser oder die Vermeidung von Spurenstoffeinträgen in die Umwelt.

Die Einträge von Nitrat und Spurenstoffen stellen offenbar eine große Gefahr für den langfristigen Erhalt qualitativ guter Grundwasserressourcen dar. Wie geht man mit den Verantwortlichen um?
 

Verursacherprinzip

Das Verursacherprinzip sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein: Wer verschmutzt, zahlt auch den Schaden oder hat Maßnahmen zu ergreifen, ihn zu beheben. Trotzdem wird das Verursacherprinzip nicht immer konsequent umgesetzt, häufig weil sich Interessen überlagern. Ein Beispiel dafür sind teure Denitrifikationsanlagen. Diese Anlagen werden von den Wasserversorgern gebaut und von den Kunden finanziert, obwohl die Einträge überwiegend durch Düngung verursacht werden. Es entspricht ebenfalls nicht dem Verursacherprinzip, wenn Kläranlagenbetreiber besondere Reinigungsstufen zum Herausfiltern von Arzneimittelwirkstoffen bauen und Abwasserkunden diese über ihre Abwassergebühren finanzieren müssen, obwohl beide keine Arzneimittel in Verkehr gebracht haben.

Der Wert unseres Wasser ist leider nicht jedem bewusst, ist er dir bewusst?
 

Poster #WasserwissenZumAngeben (Grundwasser-Edition)

Prost Wasserjahr 2022!

Unser Motto für 2022: "Unser Grundwasser: der unsichtbare Schatz"

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Wasserschutzgebiete

Für den Schutz unserer Gewässer - damit wir auch langfristig ausreichend Ressourcen für die Versorgung mit Trinkwasser zur Verfügung haben

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Klimawandel

Der Klimawandel hat nicht nur Auswirkungen auf die verfügbare Wassermenge - sondern auch auf die Wasserqualität!

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Vorsorgeprinzip

Das Wasserrecht schützt unsere Gewässer. Das Instrument dafür: Das Vorsorgeprinzip. Es soll verhindern, dass Gefahren für die Gewässer überhaupt entstehen.

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Verursacherprinzip

Wird dieses Grundprinzip des Umweltrechts tatsächlich konsequent umgesetzt? Leider gerade beim Gewässerschutz nicht!

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Spurenstoffe

Vom Menschen verursachte Schadstoffe in kleinsten Konzentrationen in der Umwelt: Sind Spurenstoffe ein Problem? Was können wir tun?

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Wasser-Tagebücher (Grundwasser-Edition)

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Flughafen Frankfurt: Wasser für Menschen und Stadtwald

Betriebsleiter Jürgen Scheuring zeigt uns die Wasserinfrastrukturen des Flughafen Frankfurt

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