Tagebücher

„Der Sinn für den Wert des Wassers ist gestiegen“

Die Kommunen sind verantwortlich für die Daseinsvorsorge in Städten und Landkreisen. Das schließt auch das Trinkwasser ein, das in ausreichender Menge und einwandfreier Qualität für Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr zur Verfügung stehen muss. Vom Umgang mit den Folgen des Klimawandels bis zum Ausbau der Infrastruktur treffen die kommunalen Vertreter wegweisende Entscheidungen für die Trinkwasserversorgung.

 

Herr Dr. Weichel, als Oberbürgermeister von Kaiserslautern sind Sie beteiligt an der Festlegung des Wasserpreises in Ihrer Stadt. Können Sie uns erklären, wie der Wasserpreis entsteht? Welche Komponenten fließen ein? Wer legt den Preis fest?

Wichtig ist, dass sich der Wasserpreis immer aus einem Grundpreis und einer leistungsabhängigen Komponente zusammensetzt. Die Höhe des Preises wird durch eine Reihe von Faktoren bestimmt: Anlagen, wie Pumpen und Leitungen, das Personal, die Material- und die Energiekosten müssen finanziert werden. Zu Buche schlagen auch die Kosten für die Aufbereitung. Da haben wir hier in Kaiserslautern Glück – unser Wasser kommt zu einem großen Teil aus 150 bis 180 Meter Tiefe aus Buntsandstein. In diesem Wasser sind keine Schadstoffe oder Nitrateinträge, es hat auch kaum Kalk. Insofern entstehen bei uns eher geringe Kosten für die Aufbereitung. Das merkt man am Preis. 0,2 Cent pro Liter kostet Trinkwasser in Kaiserslautern. Das ist recht günstig. Gerade wenn man bedenkt, dass es sich um ein hochwertiges Lebensmittel handelt.

Gibt es Gesetze, die bei der Festlegung des Wasserpreis zu beachten sind?

Sehr viele sogar: Vor allem das Kartellrecht und die kommunale Abgabenverordnung. Der Festlegung des Preises liegen vier Grundprinzipien zugrunde: Das Äquivalenzprinzip: Jeder Gebühr muss eine entsprechende Leistung gegenüberstehen. Die Gleichbehandlung: Der Preis ist für alle gleich. Die Kostendeckung: Die Gebühren müssen die Kosten decken. Und die Angemessenheit: Der wirtschaftliche Wert der Leistung muss angemessen berücksichtigt werden.

Ist der Wasserpreis ein Politikum?

Wenn er erhöht wird ja. Aber letztlich ist ja jede Preiserhöhung ein Politikum. Wir erhöhen die Preise immer nur moderat und wenn wir müssen. Meistens ist es doch so: Es melden sich die zu Wort, die unzufrieden sind. Die zufriedenen bleiben still. Ich denke, dass bei vielen Menschen der Sinn für das Wasser in den letzten Jahren gestiegen ist. Die gute Qualität unseres Wassers hat bei den Bürgerinnen und Bürgern in Kaiserslautern eine hohe Akzeptanz.

 

„Die gute Qualität unseres Wassers hat bei den Bürgerinnen und Bürgern in Kaiserslautern eine hohe Akzeptanz.“
Dr. Klaus Weichel, Oberbürgermeister der Stadt Kaiserslautern

Sind die Wasserpreise einzelner Kommunen vergleichbar? Macht ein solcher Vergleich Sinn?

Das ist der sprichwörtliche Äpfel–Birnen-Vergleich. Die Voraussetzungen sind so unterschiedlich und es gibt so viele Faktoren. Zum Beispiel: Eine Stadt am Fluss, die Wasser aus Uferfiltrat gewinnt, muss teure Aufbereitung finanzieren, wir hingegen können unser Wasser fast unbearbeitet in die Leitung speisen. Oder: Eine Kommune, die eng gebaut ist, hat ein anderes Wasserleitungsnetz als eine weitläufig besiedelte. Diskussionen darüber, welche Stadt die niedrigsten Wasserkosten hat, sind einfach nicht zielführend.

In welcher Höhe muss Kaiserslautern jährliche Kosten für die Trinkwasserinfrastruktur einplanen?

Da kommen ganz erkleckliche Summen zustande: zwischen 12 und 15 Millionen Euro jährlich stecken wir in den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. Derzeit planen wir die Bohrung neuer Brunnen - das regionale Wasserwirtschaftskonzept wird überarbeitet, denn wir spüren inzwischen die Folgen des Klimawandels. Die Lauterspring – die Quelle des Flusses Lauter – schüttet weniger Wasser aus. Wir werden zukünftig mehr Wasser aus dem Pfälzer Wald bekommen.

Welchen Wert hat Wasser für eine Stadt wie Kaiserslautern? Gibt es vielleicht ein paar schöne oder eindrucksvolle Beispiele?

Man merkt es schon am Namen, das Wort „Lauter“ das aus dem althochdeutschen stammt und für „reines Wasser“ steht. Kaiserlautern liegt in einer Senke. Die Gegend war früher sehr wasserreich, deshalb hat auch Kaiser Friedrich hier seine Pfalz gebaut, direkt an einem der vielen fischreichen Weiher, die es hier gab. Heute ist in unserer Stadt nicht mehr viel von Wasser zu sehen – die Lauter war vor 100 Jahren nur ein stinkender Abwasserkanal. Heute wird die Freilegung der Lauter immer wieder diskutiert, das ist aber kaum möglich, da die Quelle in die Trinkwasserversorgung eingeht.

 

Haben die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land aus Ihrer Sicht ein Grundrecht auf Wasser?

Wasser gehört zur Daseinsvorsorge. Ein Recht auf Wasser ist zwar nicht gesetzlich festgeschrieben, aber ich würde es schon so sehen. Wasser ist Allgemeingut. Deshalb darf auch nicht jeder einfach Brunnen bohren und Wasser entnehmen.

Herr Dr. Weichel, trinken Sie eigentlich selbst gerne Leitungswasser?

Ja, allerdings. Ich halte meinen Kopf gerne unter den Wasserhahn und trinke einfach. Auch meine Kinder trinken Leitungswasser.

An welchen Stellen in Ihrem Leben spüren Sie besonders, welchen Wert Wasser hat?

Ich habe - vielleicht auch aus beruflichen Gründen - ein großes Bewusstsein für die Ressource Wasser. Ich weiß, dass wir hier im Pfälzer Wald ein günstiges Wasserdargebot haben – es gibt ausreichend Wasser. Trotzdem – wenn ich mit offenen Augen durch den Wald gehe, sehe ich, dass es zu trocken ist. Dann erinnert man sich schnell, wie wertvoll Wasser ist.

Herr Dr. Weichel, vielen Dank für das Gespräch.

 

Über Dr. Klaus Weichel

Dr. Klaus Weichel ist seit 2007 Oberbürgermeister in Kaiserslautern. Davor war er als Regierungspräsident und als Umweltdezernent tätig. Der 1955 geborene Kaiserlauterer studierte und promovierte in Biologie an der Technischen Universität seiner Heimatstadt.