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Wasser, Marsch! Wie die Feuerwehr an Löschwasser kommt

Trinkwasser ist nicht nur essenziell für unser Leben, sondern auch, um Leben zu retten: zum Beispiel für die Brandbekämpfung. Dank einer guten Infrastruktur kommt die Feuerwehr der mittelhessischen Stadt Lollar selbst an abgelegenen Orten an Wasser. Wo sie das Wasser hernehmen und wie viel Liter es braucht, um einen Wohnungsbrand zu löschen, weiß Stadtbrandinspektor Marco Kirchner.

 

Etwa hundertmal im Jahr rückt die Freiwillige Feuerwehr von Lollar, einer knapp 10.000 Einwohner großen Stadt im mittelhessischen Landkreis Gießen, zu einem Einsatz aus. Unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Marco Kirchner rettet sie gelegentlich verirrte Kanu-Fahrer aus dem Wasser, erst letztens auch einen Hund. Nicht selten helfen sie Menschen auch in den eignen vier Wänden aus lebensbedrohlichen Situationen. Wie an einem Samstagmorgen im Februar dieses Jahres, als seine Mannschaft zu einem Wohnungsbrand gerufen wird.

 

Zwei Löschfahrzeuge bringen 7.500 Liter Wasser

Bei minus 12 Grad heißt es erst einmal, das Auto freikratzen und schnellstmöglich zur Feuerwache zu eilen. Als sie wenige Minuten später an der Wohnung ankommen, steht diese schon komplett in Flammen, Alarmstufe zwei. Doch Marco Kirchner und sein Team sind vorbereitet. In zwei Löschfahrzeugen bringen sie bereits mehr als 7,5 Kubikmeter Wasser mit. Das reicht aus, um den Brand der 85 Quadratmeter großen Wohnung bei normaler Brandlast innerhalb von zehn Minuten unter Kontrolle zu bringen. Dazu braucht es zwei Strahlrohre, die mindestens 340 Liter Wasser pro Minute abgeben, und insgesamt etwa vier Liter pro Quadratmeter bei üblicher Brandlast.

„Wir bringen bereits größere Mengen Wasser mit, um sofort löschen zu können und außerdem das Trinkwassernetz zu entlasten“, erklärt Marco Kirchner. „So nehmen wir das lokale Trinkwasserrohr weniger in Anspruch und schützen es.“ Denn: Trinkwasser ist für die Feuerwehr von unschätzbarem Wert. Für eine Brandbekämpfung muss unbedingt genügend Wasser vorgehalten werden. Das gewährleistet eine gute Infrastruktur. Falls die mitgebrachte Menge Wasser mal nicht ausreicht, kann die Feuerwehr die Löschmittelbehälter über das Trinkwassernetz nachspeisen.

 

Sonderkonzept zur Löchwasserversorgung bei Bränden an abgelegenen Orten

Doch was, wenn am Brandherd keine Trinkwasserrohrleitung in unmittelbarer Nähe verfügbar ist? „Dann bedienen wir uns an Brunnen, Zisternen, Flüssen oder gehen lange Wege über Löschteiche“, fügt Kirchner hinzu. Bei besonders abgelegenen Orten gibt es ein Sonderkonzept: Hier stellt der Landkreis interkommunal Großtanklöschfahrzeuge beziehungsweise Abrollbehälter bereit, die bis zu 10.000 Liter Löschwasser führen und bei Bedarf ausgesandt werden können. Eine weitere Herausforderung ist die neue Bauweise von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Die Gebäude bestehen nicht mehr wie früher zu einem Großteil aus Holz, sondern aus Kunststoffen. Diese beschleunigen Brände und erhöhen die Rauchentwicklung, mehr Wasser wird zum Löschen benötigt. Doch auch hier liefern im Notfall Zisternen den benötigten Nachschub.

 

„Wasser ist eine wertvolle Ressource. Das müssen wir verinnerlichen und bewusst mit ihr umgehen.“
Marco Kirchner, Stadtbrandinspektor der Stadt Lollar

Die Rechnung scheint aufzugehen, noch nie kam die Feuerwehr Lollar in die Situation, in der sie löschen wollten, aber nicht genügend Wasser verfügbar war. Neben der guten Trinkwasserinfrastruktur ist das außerdem Marcos Kirchners Ortskenntnis zu verdanken. Als hauptberuflicher Wassermeister des Zweckverbandes Lollar-Staufenberg kennt er die Versorgungszonen und Wassersysteme des Gebiets wie seine Westentasche. „Ich kann an jeder Einsatzstelle Überlegungen anstellen, wo es am geschicktesten ist, Wasser zu entnehmen“, so Kirchner. Dabei geht er sehr bedacht vor, um so wenig Trinkwasser wie möglich zu verschwenden. Denn was wäre eine Feuerwehr ohne Wasser? „Wasser ist eine wertvolle Ressource“, weiß er als Brandschutzinspektor aus Erfahrung. "Das müssen wir verinnerlichen und bewusst mit ihm umgehen."

 

Über Marco Kirchner

Seit seinem 14. Lebensjahr ist Marco Kirchner bei der Freiwilligen Feuerwehr von Lollar. Er mochte es schon immer im Team, mit Menschen zu tun zu haben und sich für sie einzusetzen, selbst in größter Not. Die schlimmsten Einsätze für ihn sind die Suizide an der nahegelegenen Bahnstrecke. Lieber hat er es, wenn er Leben retten kann. Seine Kameraden schätzen sein Engagement und haben ihn deswegen 2006 zum Stadtbrandinspektor gewählt. Auch hauptberuflich hat der Ehrenbeamte viel mit Wasser zu tun: Als Wassermeister des Zweckverbandes von Lollar-Staufenberg. Die Synergien kommen seinem Team zu gute: Er weiß immer, wo im Ort es Wasser gibt und wie viel.